Archiv der Kategorie 'Critical theory'

Textmaterial

CJ Arthur: The Concept of Subsumption

Werner Bonefeld (@Libcom.org): Anti-Globalisation and the Dangers of Nationalism and Anti-Semitism

Samir Amin: The Alternative to the neoliberal system of globalization and militarism Imperialism Today and the Hegemonic Offensive of the United States

Moishe Postone: Critique and Historical Transformation

‚Endnotes‘ zur »Neuen Marx-Lektüre«

Das Erscheinen der zweiten Ausgabe der (online komplett lesbaren) Londoner Zeitschrift Endnotes bereits im April habe ich nicht mitbekommen, offensichtlich weil die Website eine ganze Weile ummontiert wurde. Hier jedenfalls ein Auszug aus einem der Artikel:

We have emphasised the way in which the Neue Marx-Lektüre marked a development from and improvement on the Frankfurt School. Adorno’s dialectical theory of society — in terms of its systemic self-reproduction behind the backs of individuals, of the inversion of subject-object, and the existence of real abstraction — was derived from Marx’s critique of political economy. However Adorno did not himself conduct a detailed study of Capital and its drafts, relying to a great extent on others’ research. The Neue Marx-Lektüre demonstrated the correctness of Adorno’s understanding of capitalist society, not in the general area of philosophy and social theory, but on traditional Marxism’s chosen terrain of the interpretation of Capital. Yet Adorno and Horkheimer seemed unable to follow the theoretical developments being made by their students. After their death the legacy of the Frankfurt School suffered a complete degeneration into bourgeois theory under Habermas, while the Neue Marx-Lektüre fed into a flourishing of critical Marxian theory. Nonetheless there is a way in which the achievements of the Neue Marx-Lektüre can be seen to fall beneath Adorno. The category of class plays little role in the writings of Backhaus and Reichelt and they treat the question of revolution as outside their field of academic expertise, and thus it is ironically Adorno, even with his idea of the integration of the proletariat, who has more to say on these subjects. Antagonism as a concept features prominently in his writings and is meant in a very orthodox sense of class antagonism. In essays such as Society (1965), Remarks on social conflict today (1968) and Late capitalism or industrial society? (1968) Adorno reveals an “orthodox” (in a good sense) concern for the reality of class antagonism and exploitation. In “Remarks”, written with Ursula Jaerisch, he attacks the notion of social conflict as a “positivistic” flattening of Marx’s concept of class struggle, though one objectively made possible by the development of class society (integration). Though not being fought out consciously, class antagonism is still at the very heart of contemporary society according to Adorno. This is brought out in the notes to a lecture by Adorno that Backhaus acknowledges as inspiring the Neue Marx-Lektüre. Adorno repeatedly stresses here that the “exchange relation is pre-formed (präformiert) by the class relation”; the only reason why the worker accepts given relations is that he has “nothing but his labour-power” to sell. Unlike Backhaus’ own writings, Adorno’s focus is very much on the fact that while exchange is no mere illusion, “it is in the concept of surplus value that the semblance (Schein) of the process of exchange is to be found.” Thus while Backhaus and Reichelt delved much deeper into Marx’s writings, in a certain sense Adorno was less “academic”, more “political”, and closer to Marx’s concern with exploitation and class antagonism.

»Fetischisierung des Fortschritts«

Adorno in »Fortschritt«:

Marx, der alle Vorstellungen von gesellschaftlicher Naturwüchsigkeit als fetischistisch kritisierte, hat, wider das Lassalleanische Gothaer Programm, ebenso euch die Verabsolutierung der Dynamik in der Lehre von der Arbeit als der einzigen Quelle des gesellschaftlichen Reichtums verworfen; und er hat die Möglichkeit des Rückfalls in die Barbarei konzediert. Mehr mag es sein denn bloßer Zufall, daß Hegel trotz der berühmten Definition der Geschichte keine ausgeführte Theorie des Fortschritts enthält, und daß Marx selbst das Wort gemieden zu haben scheint, auch in der immer wieder zitierten programmatischen Stellte aus der Vorrede zur Kritik der politischen Ökonomie. Das dialektische Tabu über Begriffsfetischen, Erbschaft der alten antimythologischen Aufklärung in der Phase ihrer Selbstreflexion, erstreckt sich auch auf die Kategorie, die ehedem Verdinglichung aufweichte, den Fortschritt, der trügt, sobald er als Einzelmoment das Ganze usurpiert. Die Fetischisierung des Fortschritts bekräftigt dessen Partikularität, seine Begrenztheit auf Techniken. Würde wahrhaft der Fortschritt des Ganzen mächtig, dessen Begriff die Male seiner Gewalttätigkeit trägt, so wäre er nicht länger totalitär. Er ist keine abschlußhafte Kategorie. […] Denkbar ein Zustand, in dem die Kategorie ihren Sinn verliert, und der doch nicht jener der universalen Regression ist, die heute mit dem Fortschritt sich verbündet. Dann verwandelte sich der Fortschritt in den Widerstand gegen die immerwährende Gefahr des Rückfalls. Fortschritt ist dieser Widerstand auf allen Stufen, nicht das sich Überlassen an den Stufengang.

»Einwanderung der Herrschaft in die Menschen«

Adorno in den »Thesen über Bedürfnis«:

Die Theorie des Bedürfnisses sieht sich erheblichen Schwierigkeiten gegenüber. Auf der einen Seite vertritt sie den gesellschaftlichen Charakter des Bedürfnisses und darum die Befriedigung der Bedürfnisse in ihrer unmittelbarsten, konkretesten Form. Sie kann sich keine Unterscheidung von gutem und schlechtem, echtem und gemachtem, richtigem und falschem Bedürfnis a priori vorgeben. Auf der anderen Seite muß sie erkennen, daß die bestehenden Bedürfnisse selber in ihrer gegenwärtigen Gestalt das Produkt der Klassengesellschaft sind. […] Die Gefahr einer Einwanderung der Herrschaft in die Menschen durch deren monopolisierte Bedürfnisse ist nicht ein Ketzerglaube, der durch Bannsprüche zu exorzieren wäre, sondern eine reale Tendenz des späten Kapitalismus. Sie bezieht sich nicht auf die Möglichkeit der Barbarei nach der Revolution, sondern auf die Verhinderung der Revolution durch die totale Gesellschaft. (mehr…)

Anonyme Existenz

Ein letzter Auszug aus Hans G Helms‘ »Die Ideologie der anonymen Gesellschaft«:

Im totalitären »Verein« der quantifizierten Existenzen gibt es keine direkten Beziehungen zwischen den Einzelnen, auch keine gegensätzlichen. Was einmal gesellschaftlicher Verkehr (wenn auch kein idealer) gewesen ist, im »Verein« sind es disparate verwaltete Beziehungen, die deshalb korrekt »zwischenmenschliche Beziehungen« genannt werden. […] Im Selbstbewußtsein des Einzelnen erobern seine »Beziehungen« eine Machtposition über den anonymen Apparat, die darauf fußt, daß der Mittelständler eine Funktion innerhalb des Apparates inne hat, die ihm Macht über andere verleiht. Auf Identifikation geeicht, hat er keine Mühe, sich mit dem Apparat zu identifizieren und seine austauschbare funktionierende Person mit der institutionalisierenden Funktion zu verwechseln. Infolgedessen erscheinen ihm die »Beziehungen«, die er als Funktionär des Apparats stiftet, als seine eigenen, beliebig zu knüpfenden, beliebig auszulösenden. Der ideologische Schein des Freiwilligen an derartigen »Beziehungen« führt den Einzelnen in immer umfassendere »Versklavung«; denn der Funktionär kann sich aus dem Apparat nicht befreien, ohne seine existenznotwendig gewordenen »Beziehungen« aufzugeben. (mehr…)